Mitgeschrieben 002

   

Der mysteriöse Dr. Lao

Die Prophezeiung

Aus dem Film 'Der mys­­teriöse Dr. Lao' / 'Seven Faces of Dr. Lao' ist mir diese Passage als be­sonders ein­drück­lich im Gedächtnis geblieben. Was für eine trost­lo­se Zu­kunft in diesen Worten aus­ge­drückt wird! Muss es wirk­lich so kommen oder kann man etwas än­dern, wenn man 'so etwas' weiß?

Im Zir­kus des Dr. Lao geht gleich eine äl­tere, grell ge­schminkte Frau zu einem Wahr­sager mit Namen Apollonius von Tyrana, um sich von ihm die Zu­kunft pro­phe­zeien zu las­sen.

Frau: "So ein Zir­kus ist herr­lich! Zum letz­ten Mal war ich in einem - ach du mei­ne Zeit, das ist eine Ewig­keit her. Ich hoffe nur, die haben einen guten Wahr­sa­ger hier. Nicht, dass ich etwa daran glaube, aber aufregend finde ich es doch. Und das ist herrlich!"

Sie be­tritt den ab­ge­dun­kel­ten Raum des Wahr­sa­gers. Zu­nächst geht sie an ihm vorbei und be­merkt ihn nicht. Als sie ihn be­merkt, sagt sie.

Frau: "Oh, habe ich einen Schreck be­kommen!"

Apollonius: "Sie wollen einen Blick in die Zu­kunft tun?"

Frau: "Sie sehen aus wie Howard, mein armer, lieber, ver­stor­ben­er Mann."

Apollonius: "Sie wissen, dass er nicht tot ist. Ihr Mann ist nur aus ihrem Leben verschwunden, vor Jahren schon."

Frau: "Ja, ich glaube, Sie wissen wir­klich alles, wie, hi hi hi. Wenn Sie meine Ver­gan­gen­heit so gut kennen, dann sa­gen Sie mir jetzt mal was über meine Zu­kunft."

Apollonius: "Bitte setzen Sie sich."

Frau: "Ja."

Apollonius: "Fünf Cents bitte."

Frau: "Ja na­tür­lich. Soll ich Ihnen Fra­gen stellen?"

Apollonius: "Wenn Sie wollen."

Frau: "Oh wie ist das auf­re­gend, herr­lich! Womit soll ich an­fan­gen? Ich weiß schon. Wie lan­ge wird's noch dau­ern, bis ich auf meinem Land eine Öl­quelle finde?"

Apollonius: "Sie fin­den keine."

Frau: "Aber ich habe doch so viel Geld be­zahlt für das Land."

Apollonius: "Ihr Geld ha­ben Sie ver­schwen­det. Nächste Frage."

Frau: "Ich kann Sie gar nicht rich­tig hören."

Apollonius: "Sie müssen zuhören."

Frau: "Warum sind Sie ei­gent­lich so un­freund­lich? Mmh, das gan­ze ist doch nur ein Spiel, nicht wahr? Na schön, Sie bö­ser Mann. Ich werde Ihnen sa­gen, was ich un­be­dingt wissen will. Wann werde ich zum zwei­ten Mal hei­ra­ten?"

Apollonius: "Über­haupt nicht."

Frau: "Na schön. Was ist das für ein Mann, der in mein Le­ben tre­ten wird? Drücken wir es mal so aus."

Apollonius: "Es gibt keine Männer mehr in Ihrem Le­ben."

Frau: "Wieso denn nicht? Das wäre ja schreck­lich! Was für ei­nen Sinn hat mein Le­ben, wenn ich nicht reich wer­de, nicht wie­der hei­ra­te, über­haupt keine Männer kennen­ler­ne?"

Apllonius: "Ich sage nur die Zu­kunft vor­aus, ich be­wer­te sie nicht."

Frau: "Das ist doch alles glatter Un­sinn!"

Apollonius: "Die Zu­kunft ist immer so lan­ge Unsinn, bis sie Ver­gan­gen­heit ge­wor­den ist."

Frau: "Na los, sa­gen Sie noch was. Ich be­zahle Sie ja. Pro­phezeien Sie mir die Zu­kunft!"

Apollonius: "Das Mor­gen wird sein wie heute, und der Tag nach mor­gen wird sein wie der Tag vor ges­tern sein. Ihre Ta­ge werden dahin­ge­hen, wie eine An­sammlung nutz­loser Stun­den, an­ge­füllt mit sinn­loser Eitel­keit. Es kommen Ihnen keine neu­en Ge­dan­ken und die we­nigen, die Sie hatten, wer­den Sie noch vergessen. Älter werden sie, aber nicht wei­ser. Ihre Hal­tung wird stei­fer, aber nicht würdevoller. Kin­der­los sind sie und kin­der­los wer­den Sie blei­ben. Von der An­schmieg­sam­keit, die Sie einmal in Ihrer Ju­gend be­saßen und von dem ein­fachen We­sen, das frü­her oft die Männer an­zog, bleibt nichts zurück und wird auch nichts wie­der­kommen."

Frau: "Sie ge­mei­ner, scheuß­licher Mann!"

Apollonius: "Spie­gel sind oft sehr scheuß­lich und gemein! Wenn Sie ster­ben, wird man Sie be­erdigen und ver­gessen. Das ist alles. Und von allen gu­ten und bö­sen Ta­ten, von dem, was Sie geschaffen oder zer­stört ha­ben, wird nichts übrig blei­ben. Es ist als hät­ten sis nie ge­lebt. Es tut mir leid, aber Sie se­hen, es ist mein Fluch, die Wahr­heit zu sa­gen."